In der Zeit vom 18.-20. Juni fand in Bitburg die Bundestagung der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) Deutschland e.V. statt, zu der unter anderem auch der Vorsitzende des ÖJV Saarland eingeladen war. Die Auftaktveranstaltung moderierte der Vorsitzende der ANW Hans von der Golz in der Stadthalle Bitburg.
Die ANW verfolgt seit ihrer Gründung 1950 als Waldmodell den gemischten strukturreichen Dauerwald. Dessen Aufgaben und Leistungen, ökologisch wie ökonomisch, betonten die Referentinnen und Referenten der Tagung einhellig. Ebenso einig war man sich über die Rolle des Schalenwildes bei der Etablierung oder Wahrung zukunftsfähiger Dauerwälder: „Der größte Störfaktor auf dem Weg zum Dauerwald sind nicht angepasste Wildbestände. Sie können bis zu zwei Drittel der
Mischbaumarten eliminieren und so das Erreichen des stabilen und vor allen Dingen resilienten Mischwaldes erheblich gefährden.“, so die wissenschaftlich gestützte Aussage der ANW. (Download Schlussbericht BioWild-Projekt und Link zum Nachfolgeprojekt: WiWaldI)
Dr. Franz Straubinger stellte in seinem mitreißenden Vortrag mit dem Titel „Keinen Mischwald ohne angepasste Wildbestände“ unter anderem klar, dass die Gegner der Ökojagd-Bewegung viel reden aber nicht ein einziges positives Beispiel live und in Farbe zeigen können, bei dem die sog. Alternativen (Wildruhezonen, zusätzliche Äsungsflächen…) signifikant gefruchtet hätten.
Uli Osterheld (Pro Jagdkonzept GmbH) veranschaulichte in seinem Vortrag „Nur Schall und Rauch?“, dass Jagd in Deutschland auf großer Fläche noch immer ohne signifikante Wirkung ist: „Wir spielen noch zu viel Jagd.“ Als Ursache nannte er unter anderem fehlende Zieldefinitionen bei Waldbesitzenden / Jagdgenossenschaften sowie die nicht mehr zeitgemäße Jagdausbildung. Letzteres sorge dafür, dass in weiten Teilen der Jägerschaft weder Wald-Wildschäden erkannt würden, noch ein Bewusstsein für die Folgen bestehe, noch das passende Handwerk vorhanden sei, um gegensteuern zu können. Abschließend warb er daher für den Waldjäger-Lehrgang.
Am 19.6. stand für den ÖJV Saarland die Wahlexkursion II Kommunaler Forstbetrieb Neunkirchen bei Thalfang auf dem Programm. Im Jahr 2015 beschloss die 160-Seelen-Gemeinde mit ihren rund 160 ha Wald die Übernahme der ANW-Richtlinien als Betriebsziel. Zur erreichung der jagdlichen Ziele wurde kompetente Hilfe hinzugezogen: Pro Jagdkonzept GmbH hat den Regiejagdbezirk der Gemeinde von 2017-2025 betreut und konsequent gesteuert. Und das Ergebnis? Um es kurz zu machen: Es ist herrlich, durch mannshohe Eichenverjüngung zu gehen und weder über Zäune noch über Plastikhüllen zu stolpern! Unübersehbar war auch die gleichzeitige Lebensraumverbesserung für viele Wildtiere, z.B. durch mehr Deckung und Äsung.

